Die Angaben des Fahrzeugherstellers beziehen sich auf originale Reifen mit der entsprechenden Kennung.
Spätestens bei der Anschaffung von neuen Reifen nimmt man etwas anderes und dann würde ich mich im Hochgeschwindigkeitsbereich nur mehr auf den Reifenhersteller verlassen.
Das ist so nicht ganz korrekt. Die OEM Angaben beziehen sich auf die angegebene Reifendimension inkl. Speedindex und Traglastindex und zwar gemünzt auf das jeweilige Fahrzeug bzw. dessen Achslasten - auch wenn es um die Radlasten selbst geht, die letztlich relevant sind. Dazu kommt auch die Serienmaulweite und ET der Felge. Diese Fülldruckwerte, die sich daraus ergeben, gelten für jeden Reifen mit diesen Spezifikationen auf diesem Fahrzeug, unabhängig von Modell oder Reifenhersteller.
Und auch das man "etwas anderes" nimmt, wenn der OEM Reifensatz am Ende ist, würde ich nicht als letzte Wahrheit stehen lassen. Es kann durchaus Sinn machen (z.B. bei einem älteren Fahrzeugmodell, für das deutlich modernere Reifen existieren), aber letztlich garantieren nur die OEM Reifen das gewünschte Fahrverhalten auf dem jeweiligen Auto. Kann natürlich sein, dass dir das Fahrverhalten, dass dir Aftersales-Reifen bringen, auch oder besser gefällt - aber dann entspricht die gesamte Fahrdynamikabstimmung eben nicht mehr so ganz dem vom Hersteller eingestellten Sollzustand. Achtung dabei - nur weil der Reifen die gleichen Dimensionen hat und es das gleiche Modell ist, kann er trotzdem signifikant andere Eigenschaften aufweisen. Sicher gehen kann man nur, wenn die korrekte Reifenspezifikation bekannt ist und/oder man direkt über den Händler bestellt.
Sonst wurde Fülldruckseitig hier ja schon einiges gut zusammengetragen. Bei Golf 8R ist es z.B. so, dass die hohen Fülldrücke eine Pflichtvorgabe sind aus der Kombination hohe Vorderachs-Radlast, niedriger Querschnitt, Y-Kennung mit 300 km/h Freigabe und eine relativ kleine Traglast (u.a. eben wegen dem Querschnitt). Die Hinterachs-Reifen würden wegen deutlich geringerer Radlasten locker 0,6-0,7 bar weniger vertragen und wäre so noch zulassungsfähig - aber das verhunzt dann die gesamte Fahrzeugbalance, weswegen man den Fülldruck an die Vorderachse angleicht.
Für Fahrten bis 250 km/h kann der Fülldruck beim Golf 8R mit 19-Zoll Rädern gefahrlos von 3,2 bar auf 2,8-2,9 bar rundum gesenkt werden, auch bei dauerhafter Fahrt.
Für den Rennstreckenbetrieb empfehlen die Reifen OEMs auch, dass zunächst der reguläre Kaltdruck gefahren werden sollte. Wenn sich der Reifen erwärmt, soll man nach und nach den Druck ablassen, so dass er später auch warm/heiss dem anfänglichen Kaltdruck entspricht. Das ist etwas nervig und für beste Rundenzeiten auch nicht ideal, aber die sicherste Variante aus Sicht Vermeidung von Reifenschäden/-versagen.